Claude
Das Modell hinter fast allem, was hier gebaut wird. Formuliert, entscheidet aber nicht.
Was es ist
Claude ist das Sprachmodell, mit dem hier fast alles gebaut wird. Es liest Text, schreibt Text und kann Werkzeuge bedienen, die man ihm gibt. Das klingt nach wenig und ist der Grund, warum in den letzten zwei Jahren so viele Abläufe möglich geworden sind, die vorher an einem Menschen hingen: überall dort, wo jemand etwas lesen, einordnen und formulieren musste, kann jetzt ein Modell stehen.
Wichtig ist die Grenze dahinter. Ein Modell ist kein Programm, das jedes Mal dasselbe tut. Es ist ein sehr guter Vorschlagsapparat.
Wo es trägt
Bei allem, was Sprache ist und wo eine gute Näherung reicht: Produkttexte, Antwortentwürfe, Zusammenfassungen langer Verläufe, das Einsortieren von Anfragen in Kategorien, das Übersetzen zwischen zwei Formaten, die niemand dokumentiert hat.
Der zweite, deutlich unterschätzte Ort ist die Werkbank. Claude Code sitzt direkt neben dem Editor und kann ein ganzes Projekt lesen, bevor es etwas ändert. Für das, was ich baue, ist das inzwischen der größere Hebel: nicht der Text, den das Modell schreibt, sondern das System, das mit seiner Hilfe schneller entsteht.
Wo es klemmt
Es entscheidet nicht zuverlässig. Dieselbe Frage, zweimal gestellt, kann zwei verschiedene Antworten geben. Für einen Entwurf ist das egal, für eine Regel ist es das Gegenteil von brauchbar. Deshalb gilt bei mir ausnahmslos: Regeln entscheiden, das Modell formuliert. Ein Modell, das die Richtlinie auswendig können soll, ist ein Fehler im Bauplan.
Es erfindet überzeugend. Eine falsche Zahl klingt genauso sicher wie eine richtige. Alles, was nachprüfbar sein muss, kommt deshalb aus einer Datenbank in den Ablauf hinein und wird nicht vom Modell erinnert.
Es kostet pro Wort, und das Fenster ist endlich. Je mehr man hineinschiebt, desto teurer und desto schlechter werden die Antworten. Der eigentliche Handwerksteil ist deshalb nicht der Prompt, sondern die Auswahl: Was genau bekommt dieser eine Schritt zu sehen.
So sieht es aus, wenn es läuft
Die Antwort auf eine wiederkehrende Frage liegt fertig formuliert da, gezogen aus deinen eigenen Daten statt aus dem, was ein Modell vermutet, und ein Mensch gibt sie frei, bevor sie hinausgeht. Dasselbe gilt für Produkttexte, Zusammenfassungen und alles, was heute jemand nebenbei tippt. Der Gewinn ist nicht der Text an sich. Es ist die halbe Stunde, die niemand mehr in den ersten Entwurf steckt, und die gleichbleibende Form über hunderte Fälle hinweg.
Woran du vor der Entscheidung denken solltest
Die Frage ist selten, welches Modell. Die Frage ist, welche Entscheidung du bereit bist abzugeben. Solange die Antwort „keine” lautet, ist ein Modell trotzdem nützlich, es schreibt dann eben Entwürfe. Sobald etwas ohne Kontrolle hinausgeht, brauchst du vorher Regeln, eine Eskalation für den Fall „keine Regel passt”, und jemanden, der merkt, wenn die Qualität kippt.
Beiträge dazu
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